damals in den 90gern…..rumänien

Holger hat heute beim Spaziergang ein Handyfoto von mir gemacht, als ich es mir anschaute und ordentlich dabei einzoomte schimpfte ich sofort los….. Man sehe ich alt aus .Stimmt- ich bin ja auch 57, das vergesse ich oft.

Ja aber Wurst, wer alt aussieht und 57 ist, hat auch ein bisschen was erlebt. Es gibt jede Menge „früher“ und solange mir das noch was davon einfällt, schreibe ich es mal auf.

Ich hatte ein bisschen meinen PC aufgeräumt und bin auf ein paar Fotos gestoßen, die ich irgendwann mal mit einem Negativscanner digitalisiert hatte. Die Qualität ist superschlecht aber faszinierend ist, wie gut die Fotoqualität heute ist, ganz egal, womit man knipst.

AAAAlso…damals in den 90gern. Ich war eine alleinerziehende Krankenschwester mit 2 kleinen Kindern, sie waren noch im Kindergartenalter, also muss es Anfang der 90ger gewesen sein. Ich arbeitete nur im Nachtdienst auf der Chirurgie, so ließ sich das Leben am Einfachsten gestalten.

Zweimal im Jahr fuhr ich mit damaligen Freunden nach Rumänien, um Hilfsgüter (Mehl, Waschpulver, Schulhefte, Bleistifte,Klamotten etc…..) die die katholischen Gemeinden gesammelt hatten oder die aus irgendwelchen Gründen nicht in den deutschen Handel konnten (umgekipptes Waschmittel, verheftete Schulhefte…) in ein Kinderheim in Sibiu in Siebenbürgen und in ein Dorf im Banat zu bringen. Diese Touren gab es schon einige Zeit, ein paar mal fuhr ich mit wenn ich frei hatte und meine Eltern die Kinder nehmen konnten.

Ich erinnere mich an viele Erlebnisse. An jedem Grenzübergang: Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien ließ man uns warten und mitunter mussten wir jeden der Busse bis auf den letzten Schnürsenkel auspacken. Ich weiß nicht warum das so war und man uns da so wenig wohlgesonnen war. Wir haben es alle nicht verstanden. Wir gehörten nicht mehr zum Osten.

Sehr oft war an den Bussen was kaputt, die Jungs haben bis auf einmal alle Schäden repariert. Einmal gelang das nicht und in keinem der Autos gab es etwas zum Abschleppen. Verzweifelt hielten wir ein Auto an und fragten den Fahrer, ob er uns sein Seil verkaufen könne. Er hatte eine Abschleppstange, die wollte er auf keinen Fall verkaufen. Er borgte sie uns für Kaffee und Zigaretten und holte sie sich nach ein paar Tagen und einigen 100 Kilometern weiter wieder ab.

Nach Diesel mussten wir stundenlang anstehen und einmal war er alle. Wir fragten einen Treckerfahrer, ob er was hat für Kaffee und Zigaretten . Klar er steckte einen Gummischlauch in seinen Tank, zutschte den Schlauch voll und steckte das andere Ende in den Tank des leeren Busses. Kaffee und Zigaretten…Wunderwaren.

Die Zeit , die wir eingeplant hatten um in Rumänien irgendwo anzukommen, überschritten wir mitunter um das Dreifache. Aber wir hatten Spaß und machten das Beste daraus. Ich war immer in Friedrich verliebt, das machte die Tour kurzweilig.

Rumänien hat mich trotz der Armut der Menschen fasziniert, es war so, als käme ich in ein Märchenbuch, es war kurios und anders als zu Hause. Auf den Straßen fuhren Pferdewagen ( auch im Dunkeln unbeleuchtet , das war beim Konvoifahren dramatisch ) einmal lag eine Kuh nachts auf der Straße und schlief, einmal ein totes Pferd am Straßenrand…ich war hin und hergerissen zwischen Faszination und Erschütterung. Die Menschen waren sehr sehr arm. Viele tramten und wir haben auch immermal jemanden mitgenommen. Meist alte Frauen mit schweren Säcken. Einmal einen älteren Mann von dem ich jetzt denke, daß er nur zur Kirche oder Synagoge wollte, vielleicht in den Nachbarort. Er schlief sofort ein. Ich weckte ihn in jedem Ort, er schüttelte immer den Kopf und nachdem er das viele 100km weiter immer noch tat, schlugen wir ihm vor, wieder zurück zu trampen. Er wirkte sehr verzweifelt, aber wir konnten nichts tun um ihm zu helfen.

Einmal lief uns im Dunkeln ein Mann ins Auto. Wir dachten, wir hätten ihn überfahren. Zum Glück hatte er nur eine leichte Gehirnerschütterung und vorher sehr viel Schnaps getrunken. Dennoch holten wir die Polizei, die uns die Pässe abnahm und von jedem 10 000 Deutschmark wollte.

Tja, hatte keiner und offensichtlich war das eine üble Taktik, um zu Geld zu kommen, einer springt in ein Auto und dann wird abkassiert. Wir übernachteten bei einer unbekannten gastfreundlichen Familie und fuhren am nächsten Tag ohne Pässe weiter nach Sibiu zum Kinderheim.

Aus den geplanten 5 Tagen wurden zwei Wochen, denn solange brauchten wir, eh uns die Botschaft und verschiedene Leute dabei halfen, die Pässe zurückzubekommen. War eine gute Zeit, wir wohnten mit den Kindern im Heim, machten uns nützlich, reparierten und renovierten so einiges für Kost und Logie. Ich weiß noch genau, wie das Brot dort schmeckte…lecker. Und das jeder von uns eine Kindergruppe um sich hatte und wir uns unterhielten ohne die Sprache der anderen zu können.

An den Nachmittagen gingen wir ein bisschen Wandern und an den Abenden fuhren wir nach Temeswar in eine Pizzeria, wo es die farbloseste und blasseste Pizza gab, die ich jemals gesehen hatte. Es gab kein Handy um bei den Eltern, dem Arbeitgeber anzurufen und dort mitzuteilen, daß zB ich die Kinder nicht holen und nicht zum Dienst kommen konnte. Es blieb spannend. Aber irgendwann hatten wir die Pässe wieder und ohne dieses Debakel, hätte ich diese schönen warmen Erinnerungen nicht. Casa Don Bosco hieß das katholische Kinderheim.

Im kleinen Dorf im Banat, an dessen Namen ich mich nicht erinnere wohnten wir bei Familien. Wir schliefen zu dritt in einem Bett mit einer Decke im gleichen raum mit der Großmutter. Wenn der jeweils Äußere sich in die Decke rollte, hatten die beiden anderen nichts mehr davon. Herrlich. Ich in der Mitte, rechts und links Friedrich und Dominik. Der Hausherr schlachtete eine Ziege, es gab viel gutes fettiges Essen und sehr sehr viel Schnaps von dem wir uns mittags auf dem Friedhof in der Sonne erholten.

Einen Bus hatten wir durch den Torbogen in den Hof gefahren, voll beladen. Nachdem wir die Hilfsgüter zu allen Familien gebracht hatten war der Bus höher und passte nicht mehr durch den Torbogen. Also mussten ganz viele Menschen rein, um wieder heraus zu fahren. Herrlich.

Der Schnaps Sulka Pflaumenschnaps war schon sehr krass. In den Destillen saßen alte Frauen und rührten in den Pflaumen. Wir kriegten überall Schnaps geschenkt sozusagen als Dank. Mussten überall welchen trinken. Selbst beim Chefarzt im Kinderkrankenhaus in Temeswa. Puh ..zwische 80 und 120 Liter Sulka hatten wir auf dem Rückweg in den Autos. Keiner wollte den trinken. Aber dennoch , coole Zeiten in den 90gern. Möchte ich nicht nichterlebt haben.

4 Gedanken zu „damals in den 90gern…..rumänien&8220;

  1. Hey Anne B .das war schon eine verrückte Zeit damals. Kann gut verstehen ,das Du Dich daran gern erinnerst. Ich weiß nicht mehr ob Du davon erzählt hast,in den Nächten . Denke Du kannst stolz darauf sein. Liebe Grüße Elsa

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